„BCRT - Paper of the Year“


Publikationspreis des BCRT wurde auf dem „RegMed Forum“ verliehen

Eine unabhängige internationale Jury, bestehend aus dem wissenschaftlich-technischen Beirat des BCRT, kürte drei Gewinner-Publikationen des diesjährigen „BCRT - Paper of the Year“-Preises:

1. Platz: Axel T. Neffe et al. – „One step creation of multifunctional 3D architectured hydrogels inducing bone regeneration“

2. Platz: Elisa Degenkolbe et al. – „Improved bone defect healing by a superagonistic GDF5 variant derived from a patient with multiple synostoses syndrome“

3. Platz: Andreja Brodarac et al.  – „Susceptibility of murine induced pluripotent stem cell-derived cardiomyocytes to hypoxia and nutrient deprivation“

Die Preisverleihung für die drei besten Publikationen von Wissenschaftlern des Berlin-Brandenburger Centrums für Regenerative Therapien (BCRT) aus dem Jahr 2015 war der feierliche Abschluss des „RegMedForums 2016“ - der offiziellen Jubiläumsfeier des BCRT, das vom 6. bis 7. Oktober 2016 in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften in Berlin stattfand.

Seit seiner Gründung vor genau zehn Jahren hat sich das BCRT zu einer der weltweit renommiertesten Forschungseinrichtungen auf dem Gebiet der Regenerativen Medizin entwickelt. Dies lässt sich auch an den bisher über 1.700 wissenschaftlichen Artikeln ablesen, die in international hoch-rangingen Fachzeitschriften publiziert wurden. Mit anderen Worten: Durchschnittlich 170 Veröffentlichungen pro Jahr oder drei Publikationen pro Woche wurden durch Wissenschaftler des Berlin-Brandenburger Centrums für Regenerative Therapien veröffentlicht und damit zur wissenschaftlichen Diskussion gestellt.

Durch ihre Forschung unterstützen und begleiten die Mitarbeiter des BCRT den Transfer von wissenschaftlichen Erkenntnissen und Methoden in neue Therapieansätze. Durch ein besseres Verständnis unseres Körpers und seiner Heilungsprozesse und darauf abgestimmte neue Therapien profitieren dann letztlich auch Kliniken und Patienten von den Forschungsergebnissen.

Jury kürt drei Gewinner-Publikationen

Eine externe Jury, bestehend aus Vertretern des wissenschaftlich-technischen Beirats des Centrums, wählte aus allen eingereichten Veröffentlichungen drei Gewinner-Publikationen aus. Bei der Bewertung betrachteten die Juroren unter anderem die wissenschaftliche Leistung, die technische Qualität, die erwartete Wirkung sowie den innovativen Charakter, Originalität und Relevanz im Bereich Translation, das heißt dem Prozess der schnellen und sicheren Umsetzung von Ergebnissen aus der medizinischen Forschung in die klinische Anwendung.

Überreicht wurden die diesjährigen Trophäen für das „BCRT - Paper of the Year 2015“ durch den Vorsitzenden des Aufsichtsrats Herrn Dr. Werner Wolf sowie von Herrn Prof. Klaus von der Mark. „Die eingereichten Publikationen haben gezeigt, wie exzellent die Wissenschaftler am Berlin-Brandenburger Centrum für Regenerative Therapien arbeiten. Die Verleihung des „Paper of the Year“-Preises honoriert diese Leistung und soll alle Wissenschaftler animieren, weiterhin Spitzenforschung zu betreiben“, sagte Dr. Wolf.

Die Gewinner

Der 1. Platz ging an eine Publikation (Neffe et al., 2015), die einen Beitrag zur Entwicklung neuer Materialien bei der Unterstützung des Knochenwachstums nach einer Verletzung leistete und die aus der Feder von Mitarbeitern der Technologieplattform „Polymerbasierte Biomaterialien“ des BCRT stammt.

Der 2. Platz ging an ein Team, dem Wissenschaftler der Forschungsgruppe „Modellsysteme für Zelldifferenzierung“ und des klinischen Forschungsfeldes „Muskuloskelettales System“ angehörten. Die Veröffentlichung (Degenkolbe et al., 2015) stellte innovative Ansätze für die Knochenheilung vor.

Den 3. Platz erhielt ein Forscherteam, deren Publikation (Brodarac et al., 2015) neue Erkenntnissen bei der Therapie von Herz-Kreislauf-Erkrankungen beschrieb und an der Wissenschaftler der Forschungsgruppe „Kardiomyozytale Wiederherstellung und Matrix Unterstützung“ beteiligt waren.

Von der Qualität ihrer Veröffentlichungen konnten die Preisträger für die besten Publikationen des BCRT die knapp zweihundert Zuhörer beim „RegMedForum“ selbst überzeugen. Die Gewinnerteams stellten dort ihre Ergebnisse in einer Kurzpräsentationen vor.

1. Platz

Axel T. Neffe und die Gruppe um Andreas Lendlein hat sich der Entwicklung neuer Materialien gewidmet. Für ihre Veröffentlichung im Magazin „Advanced Materials“ wurde der Autorengruppe der erste Preis verliehen. In ihrer Arbeit zielte das Team auf die Entwicklung neuer Biomaterialien ab, welche die Heilungs- und Regenerationsprozesse von Knochengeweben beschleunigen. Das entwickelte biologisch abbaubare Hydrogel besteht aus Gelatine und Lysin. Es unterstützt den Aufbau dreidimensionaler Knochenstrukturen. Damit dies gelingt, wird das Gel mit verschiedenen Funktionen ausgestattet. Es ist multifunktional und kann in einem einzigen Schritt erzeugt und mit unterschiedlichen mechanischen und chemischen Funktionalitäten ausgestattet werden. Das Biomaterial kombiniert eine offenporige, miteinander verbundene Struktur, die einerseits eine schnelle Zell-Invasion erlaubt und gleichzeitig mit elastischen Eigenschaften und einem guten Abbauverhalten ausgestattet ist. Es spendet dem regenerierenden Gewebe Halt, ohne dessen Wachstum zu hemmen. Durch den enzymatischen Abbau des Biomaterials passt sich die Struktur des Biomaterials dem regenerativen Wachstum von Knochen an. Bisher verwendeten synthetischen Materialien ist das Hydrogel überlegen.

Publikation: Axel T. Neffe et al. (2015): „One step creation of multifunctional 3D architectured hydrogels inducing bone regeneration“. Advanced Materials, 27(10):1738-1744, doi: 10.1002/adma.201404787.

2. Platz

Der zweite Platz ging an Elisa Degenkolbe und das Team rund um Petra Seemann. Eine verbesserte Knochenheilung war Thema der Veröffentlichung im Fachmagazin „Bone“. Das Multiple Synostosen-Syndrom ist eine seltene genetische Erkrankung, die durch eine Versteifung der Gelenke charakterisiert ist. In Röntgenaufnahmen von Betroffenen werden in unterschiedlichen Bereichen des Skeletts progrediente Verengungen der Gelenkräume dokumentiert. Gelenkfusionen und eine damit einhergehende Versteifung sind die Folge. Das für das Syndrom der Multiplen Synostosen verantwortliche Gen ist der Wachstums- und Differenzierungsfaktor 5 (GDF5). Mehrere Allele dieses Gens mit unterschiedlichen Symptomen sind beschrieben. GDF5 spielt eine wesentliche Rolle bei der Skelettentwicklung und Regeneration. Punktmutationen im Gen führen zu sogenannten Defekt-Modellen, die zur Untersuchung des Multiplen Synostosen-Syndroms wichtig sind. An diesen lassen sich unterschiedliche Regenerationsfähigkeiten beobachten. Mit Hilfe der Computertomographie (MicroCT) und histologischen Analysen konnte in der vorgestellten Studie gezeigt werden, dass eine schnellere und effizientere Heilung unterstützt werden kann. Auf molekularer Ebene wurden diese Ergebnisse mit Hilfe von Genexpressionsanalysen und quantitativen PCR-Analysen an Kallusgewebe untermauert. Die spezifische Beschleunigung in der frühen Phasen der Knochenheilung konnte so bestätigt werden. Die Studie unterstützt das grundlegende Konzept, dass Wachstumsfaktoren vielversprechende Leitstrukturen für neuartige Therapeutika sind, die auch im klinischen Alltag getestet werden können.

Publikation: Elisa Degenkolbe et al. (2015): „Improved bone defect healing by a superagonistic GDF5 variant derived from a patient with multiple synostoses syndrome“. Bone, 73:111-119, doi: 10.1016/j.bone.2014.12.017.

3. Platz

Andreja Brodarac und das Team um Christof Stamm erhielten den dritten Platz für ihre Publikation im Fachmagazin „Stem Cell Research & Therapy“. Die Veröffentlichung zur Anfälligkeit von Herzmuskelzellen aus induzierten pluripotenten Stammzellen (iPSC-CMs) dient der kontinuierlichen Verbesserung der genetischen Re-Programmierung von Herzmuskelzellen, den sogenannten Kardiomyocyten (CM). Induzierte pluripotente Stammzellen (iPSC) besitzen ein großes Entwicklungs¬potenzial. Der Vorteil für die Forscher in Deutschland liegt auf der Hand: Es werden keine Embryonen benötigt. Somit stellen die induzierten pluripotenten Stammzellen einen alternativen Forschungsansatz dar. Sie bieten - so die Hoffnung der Forscher - die Möglichkeit, kontraktile, gleichgeschaltete Zellen in großer Zahl zu züchten, die für Therapieansätze genutzt werden können. Trotz Bedenken hinsichtlich der genetischen Stabilität von umprogrammierten Zellen und deren Nachkommen, existieren derzeit kaum Alternativen für die Erzeugung kontraktiler Herzmuskelzellen. Herzmuskelzellen, die aus induzierten pluripotenten Stammzellen entwickelt wurden, sogenannte iPS-CMs, besitzen phänotypische und funktionelle Merkmale, die denen der Herzmuskelzellen sehr ähnlich sind. Über die Reaktion von iPS-CMs in einer Umgebung, die der eines erkrankten Herzens gleicht, ist bisher noch wenig bekannt. Die Forscher konnten zeigen, dass diese Zellen auf Ischämie-ähnliche Zustände, die in der Studie durch Sauerstoffmangel (Hypoxie) und Unterversorgung mit Nährstoffen simuliert wurden, besonders empfindlich reagieren. In der Studie konnten Bedingungen definiert werden, die die Wirksamkeit von auf iPSC basierenden Therapieansätzen, erhöhen können. 

Publikation: Andreja Brodarac et al. (2015): „Susceptibility of murine induced pluripotent stem cell-derived cardiomyocytes to hypoxia and nutrient deprivation“. Stem Cell Research & Therapy, 6:83, doi: 10.1186/s13287-015-0057-6.








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