Wie Krebszellen Winterschlaf halten


7. August 2018
In den kommenden sechs Jahren arbeiten Wissenschaftler aus ganz Deutschland zusammen, um Knochenmetastasen nach einer vorherigen Brust- oder Prostatakrebserkrankung frühzeitig zu erkennen und deren Entstehung zu verhindern. Insgesamt 7,8 Millionen Euro stehen für das bundesweite DFG-Schwerpunktprogramm 2084 „μBONE – Kolonisierung und Interaktionen von Tumorzellen innerhalb der Knochenmikroumgebung“ zur Verfügung. Forscher des Berlin-Brandenburger Centrums für Regenerative Therapien (BCRT) der Charité – Universitätsmedizin Berlin sind an dem Projekt beteiligt.

Jede achte Frau erkrankt im Laufe des Lebens an Brustkrebs, jeder achte Mann an Prostatakrebs. Die beiden Karzinome sind damit die am häufigsten auftretenden Krebsarten. „Es ist leider oft klinischer Alltag, dass wir Patientinnen mit Brustkrebs und Patienten mit Prostatakrebs sehen, deren Tumorerkrankung bereits vor mehreren Jahren besiegt schien, bei denen die Krankheit aber in Form von Knochenmetastasen zurückkehrt“, sagt Professor Dr. Lorenz Hofbauer, Knochenspezialist am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden und Koordinator des µBONE-Konsortiums. Die Folgen sind Knochenbrüche, starke Schmerzen und eine Einschränkung der Lebensqualität. „Gerade das Mammakarzinom und das Prostatakarzinom neigen bei fortgeschrittener Erkrankung in bis zu 80 Prozent zur Ansiedlung in den Knochen.“ Die Krebszellen halten im menschlichen Körper im Knochenmark über Jahre eine Art „Winterschlaf“ und zerstören nach dem Erwachen den Knochen. Die Forscher des Konsortiums wollen die Prozesse verstehen, die zu dieser Entwicklung führen.

„Die genauen Mechanismen und die einzelnen Entwicklungsschritte der Knochen- und Tumorzellen auf dem Weg zur klinisch erkennbaren Knochenmetastase sind unzureichend erforscht, stellen aber eine Grundvoraussetzung für eine frühzeitige Diagnose sowie eine verbesserte Prävention und Therapie dar“, sagt Professor Dr. Kay Raum. Zusammen mit Dr. Regina Puts untersucht er in einem Teilprojekt, ob durch mechanische Stimuli von Knochenzellen intrinsische Schutzmechanismen gegen eine Tumorinvasion aktiviert werden können. „Mit Hilfe von Ultraschallwellen niedriger Intensität sollen die gleichen intrazellulären Signalkaskaden aktiviert werden, wie durch momentan eingesetzte Medikamente“, erklärt Dr. Kay Raum. Letztere hätten aber bei langzeitiger Anwendung eine Reihe von unerwünschten Nebenwirkungen. Durch die Kombination mit mechanischer Stimulation erwarten die Forscher eine Reduzierung der notwendigen Medikamentendosis und damit eine weitgehende Vermeidung der Nebenwirkungen.

Links:

Bone Lab in Dresden
BCRT

Kontakt im BCRT:

Prof. Dr. Kay Raum
Tel.: 030 450 539 503
E-Mail: kay.raum@charite.de








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